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Rollstuhlgerechte Wohnküche, Graz

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© Archiv BauKultur Steiermark, Wolfgang Retter

Rollstuhlgerechte Wohnküche, Graz

2008
Planung

monomere architekten, Wien

Bauherr

Sebastian Ruppe

Fertigstellung

2004

Jury Geramb Dankzeichen 2008

Ass. Prof. Arch. Dipl.-Ing. Dr. Uli Tischler (Vorsitz)
Arch. Dipl.-Ing. Susanne Fritzer
Mag. Elke Krasny
Arch. Dipl.-Ing. Alfred Boric
Dipl.-Ing. Dr. Birgit-Magdalena Skerbetz
Dipl.-Ing. Hans-Christian Hofmann

Mit maßgeschneiderter Eleganz reagiert die Wohnküche funktionell und ästhetisch auf die Anforderungen des Bauherrn Sebastian Ruppe. „Ziehen, schieben, rollen, drehen: die Bewegungssprache des Rollstuhls ist in der Wohn-Küche abgebildet,“ so beschreibt der Bauherr selbst die Planungsvoraussetzungen.
Der intensive gemeinsame Entwicklungsprozess zwischen Nutzer und Architekt ist der Wohnküche in all ihren Details abzulesen. Aus dem ursprünglich intendierten Küchenmöbel wurde ein durchgängig bespielter und zu nutzender Küchenwohnraum, der die Funktionen des Möbels bereitstellt und zugleich raumbildend weiterdenkt. Der Stauraum entwickelt sich nicht in die Höhe, sondern bleibt ein umlaufendes funktionelles Gestaltungsband in vom Rollstuhl aus erreichbarer Höhe. Die Funktionen wie Kochen, Abwaschen, Backen, Computerarbeitsplatz, Bücherregal und Gastlichkeit werden von der durchgängigen Gestaltungsidee aufgenommen. Alle rundumlaufenden Möbel sind unterfahrbar. Es gilt, möglichst nahe an die einzelnen Objekte heranzukommen, um sie greifbar zu machen. Wichtig für die Planung war insofern ein Denken in maßzuschneidernden Distanzen und Griffmöglichkeiten. Dies vor allem auch materiell und ästhetisch in den Griff bekommen zu haben, ist die Leistung der rollstuhlgerechten Wohnküche. Die Unterfahrbarkeit, die Greifhöhe und die Arbeitstiefe wurden vom Individuum ausgehend ermittelt und für die verschiedenen Bereiche der Arbeitsplatte, der Abwasch sowie des Schreibtischs abgestimmt.
Als Beispiel für die Konsequenz des Raumdenkens auf Augenhöhe, der Augenhöhe des Rollstuhlfahrers, sei das sich in das auf den Laubengang orientierte Küchenfenster hineinziehende quergestellte Küchenkästchen genannt. Der Durchblick durch das Fenster ist scheinbar unterbrochen, so aber dramaturgisch erweitert und während des Arbeitens und Hantierens präsent. Die glatten, weißen Oberflächen erzeugen einen hellen, freundlichen Raumeindruck, die Farbe Rot, die sich als leuchtender, frischer Akzent dazu gesellt, wurde vom Bauherrn festgesetzt. In keiner Weise geht es um technische Finessen oder gar hyperkomplexen Einsatz von Technologien, sondern um die Techne raffiniert simpler Lösungen, die dem Alltag im Rollstuhl gerecht werden.

Da es sich um ein Privathaus handelt und wir die Privatsphäre der Bewohner schützen wollen, geben wir den genauen Standort nicht bekannt und verorten das Gebäude auch nicht auf unserer Karte.